Gedanken

Vier Kerzen im Advent

Vier Kerzen
brannten am
Adventskranz.
Es war ganz still. So still,
dass man hörte, wie die Kerzen zu reden begannen.
Die erste Kerze seufzte und sagte:
Ich heiße Frieden. Mein Licht leuchtet,
aber die Menschen halten keinen Frieden, sie wollen mich nicht."
Ihr Licht wurde immer kleiner und verlosch schließlich ganz.
Die zweite Kerze flackerte und sagte:
Ich heiße Glauben. Aber ich bin überflüssig.
Die Menschen wollen von Gott nichts wissen.
Es hat keinen Sinn mehr, dass ich brenne."
Ein Luftzug wehte durch den Raum und die zweite Kerze war aus.
Leise und sehr traurig meldete sich nun die dritte Kerze zu Wort.
"Ich heiße Liebe. Ich habe keine Kraft mehr zu brennen.
Die Menschen stellen mich an die Seite.
Sie sehen nur sich selbst und nicht die anderen, die sie lieb haben sollen.
Und mit einem letzten Aufflackern war auch dieses Licht ausgelöscht.
Da kam ein Kind in das Zimmer. Es schaute die Kerzen an und sagte:
 "Aber, aber, ihr sollt doch brennen und nicht aus sein!"
Und es fing an zu weinen.
Doch da meldete sich auch die vierte Kerze zu Wort.
Sie sagte: "Hab keine Angst, den ich heiße Hoffnung.
So lange ich brenne, können wir auch die anderen Kerzen wieder anzünden!"
Voller Freude nahm das Kind von der Kerze
 "Hoffnung" und zündete die anderen Kerzen wieder an.

Weihnachtsstress?

In all diesem Trubel die Türe schließen
und für eine Minute die Stille genießen
Einmal durchatmen, einmal bei mir verweilen
einmal Augen schließen und bei mir sein
einmal kurz abschalten, nur mit mir allein
Alles Schwere für eine Feder eintauschen
mich für einen Moment an der Stille berauschen
auf mein Innerstes hören,
- es nicht überhören
auf mich selbst zugehen
- mich nicht übergehen. . .
Dann reicht eine Minute und du kannst das Tor
wieder ganz weit öffnen für den Trubel davor.


Esther Dymel-Sohl
(bearbeitet von Ulrike Aderhold)

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Perspektivwechsel

Advent heißt Warten
Nein, die Wahrheit ist
Dass der Advent nur laut und schrill ist
Ich glaube nicht
Dass ich in diesen Wochen zur Ruhe kommen kann
Dass ich den Weg nach innen finde
Dass ich mich ausrichten kann auf das, was kommt
Es ist doch so
Dass die Zeit rast
Ich weigere mich zu glauben
Dass etwas Größeres in meine Welt hineinscheint


Dass ich mit anderen Augen sehen kann
Es ist doch ganz klar
Dass Gott fehlt
Ich kann unmöglich glauben
Nichts wird sich verändern
Es wäre gelogen, würde ich sagen.
Gott kommt auf die Erde!

!!Und nun lesen Sie den Text von unten nach oben!
Iris Macke

Die Kastanie

Sie fällt zu Boden mit dumpfem Knall,
die wehrhafte Schale springt auf.
Am mächtigen Baum reifte sie bis zum Fall;
das Schicksal nimmt nun seinen Lauf.
Doch nein, was sage ich? Kein Schicksal es ist -
der Schöpfer hat's weise geplant!
Dem, der keins seiner Geschöpfe vergisst,
ist auch die Kastanie bekannt.

Sie kullert am Boden, braun, glänzend und schön.
Was hat sie für einen Wert?
So hart, doch verletzlich, im Laub kaum zu seh'n,
gibt es jemand, der sie ehrt?
Vielseitig begabt, und wenn auch versteckt,
ist sie einfach für jeden da.
Wer ihre Kostbarkeit entdeckt,
dem wird vielleicht manches klar:

Kinder macht sie glücklich, bringt Schönheit ins Haus,
fantasievoll und kreativ.
Sie reinigt und heilt, treibt die Müdigkeit aus,
hält Leib und Seele aktiv.*
Versteckte Schätze hält sie bereit,
um alles herzugeben,
ernährt Waldbewohner in kalter Zeit,
hält die Hungrigen am Leben.

2018-10 Kastanie - Fotolia_223562109_XS

Bei alldem verliert die Kastanie den Glanz,
bearbeitet bis zum Kern,
wird gepiekst, geschlagen, aufgerieben ganz.
Das hat die Kastanie nicht gern.
Doch sie weiß, dass ihr Dienst nicht verloren ist.
Nimmst DU das Geheimnis wahr?
Der Schöpfer, der sie niemals vergisst,
wirkt im Kleinen wunderbar -

still und verborgen ganz und gar,
doch dann auch wieder laut und klar.
Was schwach und auch verachtet war,
erweist sich plötzlich unfassbar,

wenn Er die Hand anlegt.
Befähigt und bewegt.
Sein Gen hineinlegt.
Neues Leben sich regt.
Die Welt prägt.

GLÜCKLICH, wer sieht,
dass es geschieht.

Ruth Halstenberg